Revolution des Einzelhandels

January 29, 2018

Revolution des Einzelhandels
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Maarten Bais, Vizepräsident und General Manager, EMEA, Elo

Es sind noch keine 30 Jahre vergangen, seitdem das Internet 1991 live geschaltet wurde. Die Websites von Yahoo und Google sind erst 1994 und 1996 erschienen, während die sozialen Medienplattformen Facebook (2004) und Twitter (2006) erst 14 Jahre später unsere Welt zu verändern begannen. Heute kleben wir mehr oder minder an irgendwelchen smarten Mobilgeräten, über die wir von praktisch überall aus Produkte und Dienstleistungen im Internet suchen und bestellen. Mit dem Internet entstand eine digitale Welt, in der der Einzelhandel mit zunehmender Online-Präsenz um das Interesse des Kunden kämpfen muss, der seine Einkäufe zum Teil online tätig. Trotz hoher Investitionen in ständige aktualisierte Webseiten und eCommerce erwarteten viele den baldigen Tod des Einzelhandels.

Doch ein paar Jahre später zeigt sich, dass der reale Einzelhandel nach wie vor sehr lebendig ist - nur eben ein bisschen anders. 

Da 94% des gesamten Einzelhandelsumsatzes nach wie vor im physischen Handel erbracht werden (eMarketer), beginnen die Einzelhändler ihre Strategie zu verändern, um den Kunden anzusprechen, der im Shop ein ähnliches Erlebnis wie online wünscht. Einzelhändler müssen Kunden auf eine traditionelle, jedoch moderne Weise einbinden. Das heißt sie benötigen die modernste Technologie, um die Brücke zwischen physikalischer und digitaler Shopping-Welt zu schlagen.

Was können wir daher für 2018 erwarten und welche „In-Shop“-Trends werden sich bis 2020 etablieren?

mPOS - die Aktualisierung für Generation Z

Die Marktforschung von PwC konstatiert, dass bis2020 50% der Arbeitskräfte der um die Jahrtausendwende geborenen Generation Z entstammen wird (allein in den USA). Daher täte der Einzelhandel in allen Ländern gut daran, seine POS-Systeme auf die Anforderungen und Erwartungen dieser Generation einzustellen.  Um diese Arbeitskräfte anzusprechen, muss der Einzelhandel von veralteten, oft noch mainframe-basierten POS-Systemen auf moderne Systeme umstellen. Die Generation Z ist es gewohnt, Digitalgeräte durch „Berühren“ und „Wischen“ zu bedienen - eine Erfahrung, die es im reellen Shop zu reflektieren gilt. Obsolete, umständliche Systeme sind für diese Generation einfach nicht mehr zeitgemäß. Da viele Startups bereits mPOS-Lösungen für Mobilgeräte nutzen und die größeren Einzelhandelsunternehmen ihnen zu folgen beginnen, ist es Zeit, an eine komplette Aktualisierung der POS-Systeme zu denken. Dabei geht es nicht nur um das Personal, denn auch der Käufer aus der Generation Z hat dieselben Erwartungen und Anforderungen. Durch Aktualisieren und Integration von intuitiveren POS-Systemen, die mit Apps auf Mobilgeräte des Konsumenten zielen, um z. B. bargeldlose Bezahlung, Treueprogramme usw. zu implementieren, kann der Einzelhandel seinem Personal wie seiner Kundenschaft eine nahtloseres „In-Shop“-Erlebnis bieten.

Das „elektronische“ Regal - ganz real

Bis jetzt wird elektronisches Regal-Labeling erst wenig genutzt, auch wenn große Supermarktketten es bereits in Erwägung ziehen. Es wird aber noch einige Zeit dauern, bis der Einzelhandel diese Technologie in großer Anzahl deren Vorteile nutzen wird. Elektronische Regal-Labels (elektronische Preisschilder und Aktionshinweise) könne elektronisch erstellt und aktualisiert werden. Dies rationalisiert das Auszeichnen von Waren ungemein und spart viel Zeit. Einzelhändler können mit solchen elektronischen Preisschildern dem Kunden zusätzlichen Mehrwert bieten: durch Echtzeit-Preisinformation für das Produkt bei der Off- und Online-Konkurrenz.   Der Kunde wird solche Informationen zu schätzen wissen, die gleichzeitig als „Sales Skew“ oder „schräger“ Verkaufsansatz genutzt werden kann, selbst wenn das Produkt online oder anderswo etwas billiger angeboten wird. Denn warum drei Tage zu Hause auf das Produkt warten müssen oder 20 km zu einem anderen Geschäft fahren, wenn man den Artikel gleich mitnehmen kann.

Digital interaktive Kioske - das unbegrenzte Sortiment

Um die internetaffine 2000er Generation anzusprechen, die reaktive und zeitgemäße Technologien im Shop erwartet, müssen Einzelhändler die typischen Browsing-Erfahrungen auf Mobilgeräten emulieren. Falls noch nicht in Angriff genommen, sollten digitale „Hubs“ oder Knotenpunkte auf der Ladenfläche eingerichtet werden, über die Kunden die Artikel auschecken können, die sie online gesehen haben. Auf diese Weise bekommen Kunden Zugriff auf ein vergrößertes Sortiment, ohne dass alle Produkte vor Ort gelagert werden müssen. Die gute Nachricht dabei ist, dass die Einzelhändler meist schon über das dafür Benötigte verfügen. Solange ihr Online-Katalog aktualisiert ist, lässt sich der Online-Inhalt sehr einfach in große oder mehrere kleine interaktive Touchscreens integrieren.

Direktere Transaktionen mit Selbstservice

POS mit Selbstservice-Kiosken wird in vielen Einzelhandel-Outlets zunehmend zum Standard, doch sind sie noch nicht so verbreitet, wie man es erwarten würde. Konsumenten sind stets „On-the-Go“ und führen einen schneller getakteten digitalen Lebensstil. Daher sprechen Zeiteinsparungen bei Bestellung und Zahlung den heutigen Konsumenten am meisten an.  Mehr Selbstservice-Kioske, an denen Kunden das Gewünschte bestellen und bezahlen können, reduzieren Wartezeiten - ein gewichtiges Argument für die Generation Z.

Mit all diesen Technologien am Horizont wird es nicht lange dauern, bis Kunden auch im Offline-Einzelhandel ein wirklich umfassendes, digitales Shopping-Erlebnis präsentiert bekommen.