Elo Touch Solutions

Fallstudie

OfficePlus macht den Schreibtisch zum virtuellen Sekretariat

Fraunhofer-Institut entwickelt intelligenten Desk mit Agenten

Darmstadt. Multimediale Technik und mobile Agenten können jetzt frischen Wind nicht nur in die Vorzimmer der Chefs pusten. Zu verdanken wäre diese frische Brise dem neuen System "OfficePlus", dass den Schreibtisch zu einem "virtuellen Sekretariat" macht. Entwickelt wurde OfficePlus vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt. "Mit dem Ergebnis dieses Projektes wollen wir viele Türen aufstoßen", sagt Eric Blechschmitt, Projektleiter am Fraunhofer Institut.

Dieses System bietet die Möglichkeit, einen großen Teil organisatorischer Aufgaben im Büroalltag an elektronische Assistenten delegieren zu können. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass der Benutzer entlastet wird und sich auf wichtigere Dinge konzentrieren kann. Es ist kein Wunschtraum, dass diese Assistenten inhaltlich wertvolle und produktive Arbeitsergebnisse erzielen. In den Bereichen des physischen Arbeitsplatzes, der Benutzer-Schnittstelle und der Basissoftware stellt OfficePlus neue Konzepte vor, die das Verhältnis zwischen Mensch und Computer neu definieren möchten. Drei Bausteine stellen das Fundament dieses neuen Systems dar: Das Office Desk, die Benutzerschnittstelle (Office UI), und die mobilen Agenten.

Bisherige Büroeinrichtungen behandeln den Computer nicht als einen integrierten Teil, obwohl er aus dem Büro nicht mehr wegzudenken ist. Das Fraunhofer-Institut hat bewiesen, dass es auch anders geht. Grosse LCDs kombinieren bei diesem System minimalen Platzverbrauch mit maximaler Anzeigefläche und schaffen so mehr Raum zum Arbeiten. Grundlage dieses Bildschirms ist die Technik des Touchscreens der Firma Elo TouchSystems.

Das erste Modell des Feldversuchs wurde noch mit einem Overlay konzipiert. Vor einem Jahr führte Elo TouchSystems jedoch 18-Zoll und 21-Zoll Tischmonitore ein, die bereits mit großem Erfolg in Touchanwendungen in der Leichtindustrie, Medizin und auch für Spielgeräte eingesetzt werden. "Aufgrund dieser neuesten Modelle konnten wir den gesamten Bildschirm von Elo in unser OfficePlus-System einbauen", erklärt Blechschmitt. Beim Vorgängermodell war es lediglich die Touch-Scheibe von Elo.

Der OfficeDesk wurde in zwei unterschiedlichen Größen konstruiert. Die größere Version arbeitet mit LC-Projektoren und unterstützt intuitive Operationen, die Teil eines gewöhnlichen Arbeitsplatzes sind. Dieser Desk ist für die Gruppenarbeit konzipiert worden.

Der kleinere Smart-Desk basiert auf zwei berührungsempfindlichen LCD Bildschirmen, die in diesem Fall eine Auflösung von 1280x2048 besitzen und auf zwei Bildschirme verteilt sind. Dieses Modell macht Sinn, weil ein Büroarbeitsplatz im Bedarfsfall nicht mit wuchtigen Aufbauten sowie hochauflösenden Videoprojektoren ausgerüstet werden kann.

Beide Versionen des Desk unterstützen ein variables Multiscreen-Setup, der die Belegung getrennter Bildschirmbereiche im "Focusbereich" und "peripheren Sichtbereich" unterstützt. Die berührungsempfindliche Bildschirme von Elo ermöglichen die direkte Manipulation wie beispielsweise das Ordnen von Dokumenten, das Auswählen und Durchsuchen von Informationen und auch handschriftliche Eingaben. Eingegliedert sind außerdem Anschlüsse für gängige Hardware, beispielsweise für Barcode-Scanner oder Scanner der IR-Ports. Das gilt auch für die Hardwareunterstützung von Kommunikationsdiensten durch den Kommunikationsassistenten (ISDN, VoiceOverIP, Fax, E-Mail, etc.).

Die variable Tischhöhe und – neigung ermöglicht es, das System in unterschiedlichen Arbeitssituationen einzusetzen, wie beispielsweise in der Produktion oder bei Konferenzen. Die Konstruktion erlaubt es, den Desk auf einfache Weise individuell auszurichten. Die Bildschirme verschmelzen mit der restlichen Arbeitsfläche und erleichtern so die Koordination der computerfreien Arbeit. Der Nutzer bleibt dennoch ständig erreichbar und ist an das Netz angeschlossen.

Die effiziente Benutzungsschnittstelle (Office UI) unterteilt den Bildschirm in Focus- und periphere Felder. Dadurch kann sich der Benutzer besser auf seine Arbeit konzentrieren, indem unterschiedliche Informationen in diesen Bereichen angezeigt werden.

Der Focusbereich ist reserviert für klassische Arbeiten. Hier werden Texte erstellt und bearbeitet, Präsentationen gestaltet oder Datenbankformulare ausgefüllt. In diesem Bereich werden aber auch Informationen Online abgerufen, die Agenten konfiguriert und Aufgaben delegiert sowie die Informationen der Agenten detailliert analysiert.

Im peripheren Bereich signalisiert das System Statusmeldungen und Ereignisse. Die Avatare der Agenten operieren hier ebenfalls. Dadurch, dass zwei Bildschirme für zwei Arten der Interaktion und Wahrnehmung benutzt werden, ist das System für den Benutzer einfacher zu verstehen, denn jede Aufgabe und Interaktion hat ihren eigenen, fest zugeschriebenen Eingabebereich. Die Verwirrung durch eine große Anzahl überlappender Fenster wird dadurch minimiert. Dieser Bildschirm kontrolliert darüber hinaus das System, visualisiert externe Ereignisse, und erregt die Aufmerksamkeit des Benutzers durch die Bewegung des Avatars zum Focusbereich hin. Hier werden zudem die Agenten überwacht oder es können Videokonferenzen abgehalten werden.

Die sogenannten Agenten stehen bereits für eine Reihe von Aufgaben zur Verfügung. Der Communcation Assistant (CAssis) beispielsweise ist ein eigenes Multi-Agenten-System, dass den Benutzer bei seiner täglichen Kommunikation unterstützt. Hauptaufgabe des Systems ist es, Störungen zu vermeiden, indem die Dringlichkeit hereinkommender Nachrichten eingeschätzt wird. Der Benutzer wird so nur noch in den dringendsten Fällen von der Arbeit abgehalten. Eine weitere Aufgabe ist die Visualisierung der Kommunikationsereignisse. Außerdem hilft der CAssis dem Benutzer, unterschiedliche Kommunikationsmedien zu nutzen.

Das System besteht aus einem Manager-Agenten, der in der Lage ist, verschiedene Kommunikationsmedien, ebenfalls repräsentiert durch Agenten, zu kontrollieren. Der Manager protokolliert alle Ereignisse, entscheidet was zu tun ist und verteilt dann spezifische Aufgaben. Dadurch ist er in der Lage, Anrufe durchzustellen oder dem Benutzer E-Mails am Telefon vorzulesen.

Der Manager versucht, Dringlichkeit und Wichtigkeit der Kommunikationsereignisse einzuschätzen, indem er den spezifischen Aufgaben Prioritäten zuordnet. Um eine bessere Einschätzung der Priorität zu gewährleisten und um den Benutzer auffindbar zu machen, arbeitet der Manager mit dem PDI-Agenten (Personal Data Interchange) und dem Cal-Mag (Calendar Management Agent) zusammen. Zur Konfiguration des Systems kann der Benutzer die Priorität eines Kommunikationspartners interaktiv verändern und spezifische Verfahrensweisen für bestimmte Ereignisse festlegen.

Die unbehandelten Ereignisse werden im Interface des Managers durch ein Bild des jeweiligen Kommunikationspartners, ein Symbol des benutzen Kommunikationsmediums und zwei Zeilen Text angezeigt. Dort werden die Ereignisse anhand ihrer Dringlichkeit und Wichtigkeit sofort visualisiert.

CaIMAg besteht aus einer Vielzahl mobiler Agenten, die mit den Agenten anderer Benutzer interagieren, um die günstigsten Termine zu finden, die für die meisten Teilnehmer akzeptabel sind. Der Benutzer delegiert die Aufgabe an den Agenten, indem er definiert, wen er treffen will und in welchem Zeitraum. Als ein Teil der Office- und Agentenunterstützung speichert dieser Agent dezentral geschäftliche und private Termine, verbindet zu verschiedenen Calendar-Clients über vCalendar import/export und plant automatisch Email-Templates für Benutzer ohne Agenten. Außerdem kooperiert CaIMAg mit anderen Office-Plus Agenten, um Informationen über zusätzliche Daten, Benutzereinstellungen und Kommunikationsdienste zu erhalten.

Der PDI-Agent sucht im Netz nach Informationen, beispielsweise über Leute oder Gruppen. Dahinter verbirgt sich eine intelligente Suchmaschine, die das Internet nach unterschiedlichen Informationsquellen absucht. Im Unterschied zu klassischen Suchmaschinen, bewegt sich der Agent zu diesen Quellen und sucht lokal nach den gewünschten Daten. Außerdem werden Daten mit Standard-Adress-Datenbanken (wie beispielsweise MS Outlook, Netscape Adressbuch) durch das vCard Austauschformat ausgewechselt.

PDI speichert dezentral geschäftliche Daten und verbindet zu unterschiedlichen Datenquellen, wie beispielsweise HTTP, LDAP, ODBC, Textdateien und vCard-Dateiformat, um intelligente Suchpfade zu generieren. Die Informationen werden lokal zusammengestellt und nutzen damit effizient die Netzwerkressourcen.

Die Verknüpfung von Dokumenten mit Terminen, Nachrichten und Personen gewährleistet der Document Management Agent (DoManAg). "Virtual Secretary Anthropomorpher Avatar Agent" nennt sich der zentrale Ansprechpartner, um mit der OfficePlus Agentensoftware zu interagieren. Dieser Agent leitet Anfragen an die jeweils untergeordneten Agenten und stellt damit sicher, dass der Benutzer am Bildschirm erreicht wird. Da alle Anfragen durch den Avatar zum System geleitet werden, kann sich der Benutzer darauf konzentrieren, die Aufgaben zu delegieren, denn er muss weder die Struktur, die hinter dem System steht noch den Modus der Interaktion kennen.

Als Teil der OfficePlus Agentenunterstützung bietet AvAg eine einheitliche Benutzerschnittstelle für alle OfficePlus Applikationen, zudem ein integriertes Störschild, das den Benutzer abhängig von seinen Voreinstellungen von hereinkommenden Nachrichten oder bestimmten Systemereignissen isoliert. Gesten und Gesichtausdrücke stellen komplexe Systemzustände dar. Auf diese Weise werden Probleme schnell und einfach erkannt. Die Sprachausgabe basiert auf Standardtechnologien, die Spracheingabe auf Audiomenüs mit Auswahlmöglichkeiten zwischen sinnverwandten Menüpunkten. Anstelle einer Anzahl von Tools für jeden Einzelschritt zu benutzen, beauftragt der Benutzer AvAg, die Aufgabe an einen passenden Agenten zu delegieren.

Das Projekt hat bis jetzt schon viel Aufmerksamkeit erregt und stolz erzählt Blechschmitt von der großen Medienpräsenz. "Was uns jetzt noch fehlt ist ein Partner, mit dem wir OfficePlus auf den Markt bringen können", sagt Blechschmitt.